Als die ARAN Holding GmbH im Sommer 1991 gegründet wurde, befand sich die Wirtschaft in Deutschland in einer Phase tiefgreifender Neuordnung. Die Wiedervereinigung lag kaum ein Jahr zurück, die Euphorie über die politische Einheit war groß – doch ökonomisch stand das Land vor enormen Herausforderungen. Der Aufbau Ost erforderte gewaltige finanzielle Ressourcen. Produktivitätsunterschiede zwischen Ost und West mussten überwunden werden, und viele institutionelle Strukturen befanden sich noch im Entstehen. Politisch dominierten klassische industrie- und arbeitsmarktpolitische Themen. Ökologische Fragen spielten zwar bereits eine Rolle, hatten jedoch noch keinen prägenden Einfluss auf wirtschaftliche Entscheidungen. Die Grünen waren zwar im Bundestag vertreten, doch Nachhaltigkeit war noch kein Leitmotiv unternehmerischen Handelns – eher ein Spezialthema für engagierte Pioniere. Auch geldpolitisch herrschte eine andere Zeitrechnung. Die Deutsche Bundesbank verfolgte einen strikt stabilitätsorientierten Kurs. Hohe Zinsen sollten Inflation eindämmen und Vertrauen in die D-Mark sichern. Kapital war teurer als heute, Investitionen mussten sorgfältig kalkuliert werden, Wachstum war kein Selbstläufer. So lagen die Leitzinsen des Diskont- und Lombardsatzes Ende 1991 bei 8 % bzw. 9,75 %. Unternehmen mussten sich bei den Banken für mehr als 10 % refinanzieren! In diesem Umfeld begann unsere unternehmerische Reise – geprägt von Pragmatismus, Verantwortung und dem festen Willen, nachhaltige Werte zu schaffen. Neben der ARAN wurden viele unserer Beteiligungen in dieser Zeit gegründet, die heute immer noch wichtiger Bestandteil der Unternehmensgruppe sind. Rückblickend lässt sich sagen: Schon die Gründungsphase verlangte unternehmerischen Mut. Doch genau diese Ausgangslage formte eine Kultur, die bis heute trägt.
Vom linearen Denken zur Kreislaufwirtschaft
Kaum ein Bereich illustriert den strukturellen Wandel der deutschen Wirtschaft so deutlich wie die Entwicklung der Abfallwirtschaft in den letzten 35 – 40 Jahren. Zu Beginn der 1990er Jahre vollzog Deutschland einen Paradigmenwechsel: Weg von der reinen Entsorgung, hin zur systematischen Wiederverwertung. Die Einführung der Kreislaufwirtschaft und die Etablierung des DSD veränderten die Branche grundlegend. Erstmals wurden Hersteller für Verpackungsabfälle in die Verantwortung genommen, Stoffströme organisiert und Recyclingquoten verbindlich geregelt. Was anfangs als regulatorisches Experiment begann, entwickelte sich rasch zu einem der modernsten Abfallwirtschaftssysteme weltweit. Neue Sortiertechnologien, spezialisierte Logistik und ein wachsendes Bewusstsein für Ressourcenschonung schufen einen dynamischen Markt. Für Unternehmen bedeutete dies: steigende Investitionen, zunehmende Technologisierung – aber auch neue Chancen. In den folgenden Jahrzehnten gewann das Thema weiter an Bedeutung. Globale Rohstoffpreise, europäische Umweltgesetzgebung und zuletzt der Fokus auf CO₂- Reduktion machten Recycling zu einem strategischen Element industrieller Wertschöpfung. Heute ist Kreislaufwirtschaft kein Randthema mehr, sondern ein zentraler Baustein wirtschaftlicher Resilienz. Unsere Gruppe begleitete diese Entwicklung von Anfang an – nicht nur als Marktteilnehmer, sondern als aktiver Gestalter. So vollzogen wir mit der Gründung der ARAN Holding GmbH den Wandel von einem Abfallmakler zu einem spezialisierten Dienstleister für Verwertungslösungen in den unterschiedlichsten Branchen. Der Anspruch war dabei stets derselbe: Lösungen zu schaffen, die ökologisch sinnvoll und ökonomisch tragfähig sind.
Technologie als Antwort auf Komplexität
Parallel dazu veränderte sich der Technologiesektor tiefgreifend. In den 1990er Jahren waren Filtrationstechnologie, Industrieservice und Messdienstleistungen noch stark handwerklich geprägt. Prozesse waren häufig analog, Daten begrenzt verfügbar, Effizienz vor allem eine Frage mechanischer Optimierung. Mit der Jahrtausendwende begann ein neuer Abschnitt: Digitalisierung, Automatisierung und Sensorik hielten Einzug in industrielle Abläufe. Filtrationssysteme wurden intelligenter, Industrieservices zunehmend prozessintegriert, und Messdienstleistungen in der Immobilienwirtschaft entwickelten sich von reinen Ablesetätigkeiten hin zu datenbasierten Steuerungsinstrumenten. Diese Entwicklung spiegelte einen grundlegenden Wandel der deutschen Industrie wider. Wertschöpfung verlagerte sich von der reinen Produktion hin zu hybriden Modellen aus Technologie und Service. Gleichzeitig stiegen regulatorische Anforderungen – insbesondere im Energie- und Gebäudebereich. Transparenz über Verbräuche, Emissionen und Effizienz wurde zur Voraussetzung für wirtschaftliches Handeln. Technologie wurde damit zum Motor der Transformation: Sie machte Prozesse messbar, vergleichbar und optimierbar. Für unsere Unternehmensgruppe bedeutete dies, kontinuierlich in Know-how, Systeme und Menschen zu investieren – mit dem Ziel, unseren Kunden nicht nur Produkte, sondern integrierte Lösungen anzubieten. Die Zahl der Technologieunternehmen in der ARAN-Gruppe ist im Laufe der Jahre weiter gewachsen. Während zu Beginn der 90er Jahre nur zwei Unternehmen in diesem Sektor tätig waren, sind es mittlerweile sechs erfolgreiche Einheiten mit global ansässigen Kunden.
Bauwirtschaft zwischen Boom und Ernüchterung
Ein drittes Feld, das die Volatilität wirtschaftlicher Zyklen besonders deutlich widerspiegelt, ist die Bauwirtschaft. Nach der Wiedervereinigung sorgte der immense Bedarf an Wohnraum und Infrastruktur zunächst für einen kräftigen Aufschwung. Es folgten jedoch Jahre der Überkapazitäten und Konsolidierung. In den frühen 2000er Jahren stagnierte der Markt vielerorts, Investoren hielten sich zurück, Projekte wurden verschoben. Erst das Niedrigzinsumfeld nach der Finanzkrise brachte eine neue Dynamik. Immobilien galten plötzlich als sichere Anlage, der Wohnungsbau erlebte einen historischen Boom – auch im hochwertigen Segment in Küstennähe. Steigende Nachfrage, günstige Finanzierung und ein wachsendes Interesse an Lebensqualität befeuerten zahlreiche Entwicklungen. Doch dieser Zyklus fand ein abruptes Ende. Steigende Zinsen, explodierende Baukosten und verschärfte energetische Vorgaben führten in den letzten Jahren zu einer spürbaren Abkühlung. Viele Projekte wurden gestoppt oder neu kalkuliert, die Branche steht heute vor umfangreichen strukturellen Anpassungen. Gleichzeitig bleibt der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum hoch. Die Herausforderung besteht darin, Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung in Einklang zu bringen – eine Aufgabe, die langfristiges Denken erfordert. Unser Baubereich erfuhr entsprechend der konjunkturellen Entwicklung der Bauwirtschaft in den letzten 35 Jahren ebenfalls eine starke Veränderung. Noch zu Beginn der 90er Jahre partizipierten wir mit unseren Hochbaugesellschaften man dem Bauboom im wiedervereinigten Deutschland. Mit Erkenntnis der sich anbahnenden Krise in diesem Sektor konzentrierten wir uns in den folgenden 20 Jahren erfolgreich auf das Projektgeschäft und den Verkauf von hochwertigen Immobilien in exzellenten Lagen.
Krisen als Katalysatoren
Die vergangenen 35 Jahre waren nicht nur von Wachstum geprägt, sondern auch von einschneidenden Krisen. Bereits 2000/2001 erlebte die junge Digitalwirtschaft ihre erste große Ernüchterung mit dem Platzen der Dotcom- Blase. Nach Jahren spekulativer Euphorie brachen vor allem Technologiewerte des NASDAQ massiv ein, zahlreiche Startups verschwanden, Investoren verloren erhebliche Summen. Die Krise markierte das Ende naiver Wachstumserwartungen und leitete eine Phase ein, in der digitale Geschäftsmodelle erstmals konsequent an Profitabilität und Substanz gemessen wurden. Die Subprime-Krise 2009 erschütterte das globale Finanzsystem und machte schmerzhaft deutlich, wie eng Realwirtschaft und Kapitalmärkte miteinander verflochten sind. Investitionen wurden zurückgestellt, Kreditvergaben restriktiver, viele Geschäftsmodelle mussten überdacht werden. Die COVID Pandemie brachte weitere Belastungen: unterbrochene Lieferketten, Arbeitskräftemangel und neue Formen des Arbeitens veränderten Unternehmensrealitäten innerhalb kürzester Zeit. Ab 2022 kamen geopolitische Spannungen hinzu. Kriegerische Auseinandersetzungen in Europa führten zu Energieknappheit, erhöhten Inflationsraten und einem grundlegenden Umdenken in Fragen der Versorgungssicherheit. Gleichzeitig erleben wir das schrittweise Ende einer regelbasierten Weltordnung. Globale Handelsströme werden politischer, Standortentscheidungen strategischer, Resilienz wichtiger als reine Effizienz. Diese Entwicklungen markieren eine Zeitenwende. Wirtschaftliches Handeln findet heute in einem Umfeld statt, das von Unsicherheit, Komplexität und strukturellen Brüchen geprägt ist.
Beständigkeit durch Anpassungsfähigkeit
Und doch zeigt der Rückblick vor allem eines: Wandel ist kein Ausnahmezustand – er ist der Normalfall. Unsere Unternehmensgruppe hat diese Jahrzehnte nicht nur überstanden, sondern aktiv gestaltet. In der Abfallwirtschaft, in der Technologie und im Wohnungsbau folgten die Zyklen jeweils eigenen Gesetzmäßigkeiten. Was alle Bereiche verbindet, ist der Anspruch auf Qualität, Verlässlichkeit und langfristige Perspektiven. Erfolg entstand nie durch kurzfristige Opportunität, sondern durch kontinuierliche Weiterentwicklung: durch Investitionen in Menschen, durch Offenheit für neue Technologien und durch die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen – gegenüber Mitarbeitern, Kunden, Partnern und der Gesellschaft.
Ein Meilenstein für die Zukunft: Die Familienstiftung
Ein besonders wichtiger Schritt in dieser Entwicklung wurde im November 2024 vollzogen: Unser Unternehmen mit sämtlichen Tochter- und Beteiligungsgesellschaften wurde von unserem Gesellschafter Adolf Hilmer in eine Familienstiftung eingebracht. Mit dieser Entscheidung wurde ein zentraler Grundstein für die langfristige Zukunftssicherung gelegt – nicht nur für die ARAN Holding selbst, sondern für die gesamte Firmengruppe. Die Stiftung schafft Stabilität über Generationen hinweg, entkoppelt das operative Geschäft von kurzfristigen Eigentümerinteressen und verankert unternehmerisches Handeln in einem nachhaltigen Wertefundament. Gerade in einer Zeit wachsender Unsicherheit ist dies ein starkes Signal: für Kontinuität, für Verantwortungsbewusstsein und für ein klares Bekenntnis zum Standort Deutschland. Die Familienstiftung steht für langfristiges Denken, für Investitionsfähigkeit und für die Überzeugung, dass wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftliche Verantwortung untrennbar zusammengehören.
Ausblick
35 Jahre Unternehmensgeschichte sind mehr als eine Aneinanderreihung von Zahlen und Projekten. Sie erzählen von Anpassung, von Mut und von der Fähigkeit, Veränderungen als Chance zu begreifen. Die kommenden Jahre werden neue Herausforderungen bringen: ökologische Transformation, digitale Umbrüche, geopolitische Verschiebungen. Doch wenn die Vergangenheit eines zeigt, dann dies: Unsere Stärke liegt in der Verbindung von unternehmerischer Klarheit und langfristiger Perspektive. Mit der strukturellen Absicherung durch die Familienstiftung, mit starken Geschäftsfeldern und mit engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist unsere Unternehmensgruppe gut aufgestellt, um auch die nächsten Jahrzehnte aktiv zu gestalten.
Peter Adam, Geschäftsführer ARAN Holding GmbH
Ob digitale Verwaltung, KI-Infrastruktur oder Open-Source-Offensive – Schleswig-Holstein (die „Heimat“ von ARAN) setzt bundesweit Impulse in der Digitalisierung des öffentlichen Sektors. Dirk Schrödter, Chef der Staatskanzlei und Minister für Digitalisierung und Medienpolitik, treibt diese Entwicklungen mit Nachdruck voran – auch über die Landesgrenzen hinaus. Im Interview mit dem ARAN Forum erklärt er, wie digitale Projekte im Zusammenspiel von Bund, Ländern und Kommunen gelingen können, welche Rolle Schleswig-Holstein als Modellregion spielt und wie Unternehmen im In- und Ausland konkret davon profitieren können.
Herr Minister, viele Menschen nehmen die Digitalisierung in Deutschland als schleppend wahr – gleichzeitig passiert in Schleswig-Holstein in diesem Bereich doch einiges. Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Fortschritte der letzten Jahre?
Schleswig-Holstein hat bei der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes schon früh eine Vorreiterrolle in Deutschland eingenommen. Gemeinsam mit dem IT-Verbund Schleswig-Holstein ist es uns gelungen, eine Vielzahl von Verwaltungsleistungen als Onlinedienste zu entwickeln und den Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen digital anzubieten – jederzeit abrufbar über unser Online-Serviceportal. Darüber hinaus bietet Schleswig-Holstein einige dieser Dienste im Rahmen der Umsetzung des „Einer-für-Alle“ (EfA)-Prinzips den anderen Bundesländern zur Nutzung an, unter anderem die besonders wichtigen, sogenannten Fokusleistungen Wohngeld sowie Anlagengenehmigung und -zulassung für die Genehmigung von industriellen Anlagen.
Kann es sein, dass diese Fortschritte nicht ausreichend wahrgenommen werden, weil die Digitalisierung in öffentlichen Bereichen wie Verwaltung, Bildung und Infrastruktur im internationalen Vergleich hinterherhinkt?
Ja, aber wir müssen gleichzeitig darüber sprechen, was bereits digital möglich ist. Wer weiß denn, dass es ein Servicekonto gibt, also eine Art Kundenkonto, wie wir es von den Onlinehändlern kennen? Wir stehen in Schleswig-Holstein und sicherlich auch in Deutschland vor der Herausforderung, die bereits erreichten Ergebnisse vernünftig zu kommunizieren. Dazu gehört, das immer wieder zu hörende und lesende Narrativ, die deutsche Verwaltung sei digital-rückschrittlich, zu entkräften. Denn wir haben in den vergangenen Jahren signifikant aufgeholt. So hat das Land Schleswig-Holstein alle erforderlichen Infrastrukturen geschaffen, damit Unternehmen sowie Bürgerinnen und Bürger digitale Anträge stellen und die Behörden diese auch rechtswirksam digital bearbeiten und bescheiden können. Man muss diese Angebote allerdings sowohl auf der einen wie der anderen Seite auch nutzen und die teilweise bestehende Technikskepsis überwinden. Wir planen daher, die Prinzipien digital-only und digital-first gesetzlich zu etablieren. Zugleich werden wir vor allem mit den kommunalen Behörden sprechen, die digitalen Möglichkeiten zu bewerben und selbst auch zu nutzen, denn sie sind am dichtesten an den Menschen dran.
Der Ausbau digitaler Verwaltung ist bundesweit ein schwieriges Thema. Was sind bei uns die größten Hürden – und was funktioniert in Schleswig-Holstein vielleicht schon besser als in anderen Bundesländern?
Eine zentrale Hürde ist der ebenen- und fachübergreifende Datenaustausch zwischen den Verwaltungen. Er ist ein wichtiger Schlüssel zur nutzerfreundlichen digitalen Verwaltung, aber technisch wie organisatorisch noch nicht umgesetzt. Daran arbeiten wir gerade bundesweit mit Hochdruck. Jede Bürgerin und jeder Bürger soll seine Daten nur einmal abgeben müssen. Wir brauchen also Schnittstellen und sichere Zugänge. Schleswig-Holstein nimmt auch hier eine Vorreiterrolle ein. Wir erproben die Lösungen, die beispielsweise auch in Estland oder Finnland zum Einsatz kommen. Insgesamt sind wir in Schleswig-Holstein gut aufgestellt: Wir haben früh auf skalierbare Plattformlösungen, eine enge Abstimmung mit den Kommunen und konsequente Nachnutzung von EfA-Leistungen gesetzt. Diese strategische Klarheit verschafft uns bei der Umsetzung einen Vorsprung.
Sie treiben sowohl die Digitalisierung der Verwaltung als auch KI-Projekte in Schleswig-Holstein voran, gelten als politischer Gründervater der KI in Schleswig-Holstein. Wo sehen Sie konkrete Schnittstellen zwischen Künstlicher Intelligenz und moderner Verwaltung – und wo ziehen Sie klare Grenzen?
Ohne den Einsatz von KI wird zukünftig kein Unternehmen und kein Standort mehr wettbewerbsfähig sein. Genau diese Feststellung hat mich bewegt, das Thema KI zu treiben – vor allem in den Feldern, in denen wir Wettbewerbsvorteile haben. Damit wir unseren Vorsprung halten und weiter ausbauen. Künstliche Intelligenz bietet aber auch riesige Chancen für eine moderne, bürgernahe und effizientere Verwaltung. Wir sehen konkrete Anwendungsfälle, zum Beispiel bei der automatisierten Bearbeitung von Standardanfragen, der intelligenten Dokumentenanalyse oder auch bei der Unterstützung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durch KI-gestützte Entscheidungshilfen. Das Ziel ist nicht, Menschen zu ersetzen, sondern sie zu entlasten – damit mehr Zeit bleibt für komplexe Fälle und den persönlichen Kontakt mit Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen. Unser erklärtes Ziel ist, allen Landesbeschäftigten generative KI zur Verfügung zu stellen, mit einem klaren technischen und rechtlichen Rahmen, flankiert durch rechtliche Leitfäden und Schulungsangebote. Der Einsatz von KI macht unsere Verwaltung schneller und effizienter. Das ist ganz entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes.
Wie wirkt sich der Föderalismus auf die Digitalisierung aus – als Bremse oder als Chance? Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Kommunen beim digitalen Ausbau – wo hakt es am meisten?
Die Zusammenarbeit ist grundsätzlich konstruktiv, aber oft zu kleinteilig. Wir haben durchaus eine neue Digitalisierungsbürokratie geschaffen – ausgerechnet in einem Bereich, der von Agilität lebt. Das muss sich ändern. Das neue Bundesministerium für Digitalisierung und Staatsmodernisierung kann hier segensreich wirken. Ich bin aber weiterhin ein großer Fan unseres Föderalismus, denn er lässt Raum zum Machen und Probieren. Manch eine Entwicklung würde es nicht geben, wenn wir in Schleswig-Holstein nicht einfach mal gemacht hätten. Auch die Abstimmung über Schnittstellen oder technische Weiterentwicklungen läuft nicht immer reibungslos. Schleswig-Holstein bringt sich hier aktiv ein und setzt auf pragmatische, skalierbare Lösungen.
Gerade für kleinere Unternehmen scheint Digitalisierung oft eher wie eine Last als eine Chance zu wirken – mit Bürokratie, Kosten und Fachkräftemangel. Was tun Land und Bund, um diesen Unternehmen zu helfen?
Viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stehen bei der Digitalisierung oft vor besonderen Hürden: fehlendes Know-how, begrenzte personelle Ressourcen, Investitionskosten und gleichzeitig ein hoher Druck, mit der technologischen Entwicklung Schritt zu halten. Deshalb unterstützen sowohl der Bund als auch das Land Schleswig-Holstein gezielt mit praxisnahen Angeboten und Förderprogrammen.
Schleswig-Holstein hilft kleinen und mittleren Unternehmen dabei, Digitalisierung als Chance zu nutzen – und nicht als zusätzliche Belastung. Aus diesem Grund haben wir sehr frühzeitig einen KI-Transfer-Hub aufgebaut, der unsere KMU dabei unterstützt, diese Technologien für das jeweilige Geschäftsfeld zu erschließen. Inzwischen haben wir diese Aktivitäten zu einem Anwendungszentrum ausgebaut. Unternehmen, die sich aus digitalen Abhängigkeiten lösen wollen und ihre digitale Souveränität stärken wollen, finden Ansprechpartner bei unserem DigitalHub.SH, den wir eigens dafür aufgebaut haben.
Mit der Förderrichtlinie DKU bieten wir finanzielle Zuschüsse für externe Beratung und die Umsetzung digitaler Maßnahmen – zum Beispiel in den Bereichen IT-Sicherheit oder Prozessoptimierung. Zudem steht mit dem EDIH.SH eine zentrale Anlaufstelle zur Verfügung, die KMU kostenlos bei der Einführung digitaler Technologien, Künstlicher Intelligenz oder Cybersicherheit begleitet – praxisnah, niedrigschwellig und individuell.
Auch das Cluster DiWiSH, als Netzwerk der Digital- und digitalisierten Wirtschaft im Land, bietet konkrete Unterstützung für die Unternehmen bei der digitalen Transformation (Wissenstransfer, Fachaustausch, Teilnahme an Fachgruppen zum intensiven Informationsaustausch). Gleichzeitig arbeiten wir mit der Fachkräfteinitiative Schleswig-Holstein daran, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken – unter anderem durch Qualifizierungsangebote, Digitalisierung von Weiterbildung und gezielte Beratung. Unser Ziel ist es, Unternehmen bei der digitalen Transformation ganzheitlich zu unterstützen – mit Fördermitteln, Know-how und konkreten Lösungen.
Der Digitale Wandel wird nicht aufzuhalten sein. Es ist daher wichtig, sich auf die Chancen zu konzentrieren und dabei die Daten- und IT-Sicherheit zu garantieren. Das geht nur mit einem hohen Maß an digitaler Souveränität.
Erreichen die staatlichen Angebote zur Digitalisierung (z. B. Förderprogramme, Beratungen) eigentlich die Zielgruppe? Was tun Sie konkret, um sicherzustellen, dass digitale Angebote und Fördermittel bei Unternehmen wie unseren in Bad Schwartau und bundesweit verständlich und nutzbar ankommen?
Gute Unterstützungsmaßnahmen und auch Förderprogramme nützen nur dann etwas, wenn sie auch ankommen und genutzt werden. Unsere Erfahrung zeigt: Die staatlichen Angebote zur Digitalisierung erreichen viele Unternehmen – aber eben noch nicht alle, gerade kleinere Betriebe und solche ohne eigene Digitalabteilung tun sich oft schwer. Mit dem KI-Anwendungszentrum und dem DigitalHub.SH haben wir niedrigschwellige Angebote etabliert, die sich stetig wachsenden Interesses erfreuen. Das zeigt, die Maßnahmen wirken. Wir können aber immer noch besser werden. Wir setzen auch bei den schon eher traditionellen Ansprechpartnern auf direkte Ansprache, einfache Zugänge und regionale Präsenz wie bei der WTSH und bei der IB.SH. Sie bieten gezielte Beratung zu Digitalisierungsvorhaben und Fördermöglichkeiten an – verständlich, individuell und kostenfrei. Zusätzlich arbeiten wir eng mit IHKs, Handwerkskammern und Beratungsunternehmen zusammen, um Unternehmen gezielt anzusprechen und zu begleiten. Nur so stellen wir sicher, dass unsere Unterstützung dort ankommt, wo sie gebraucht wird.
Viele Digitalisierungsmaßnahmen – etwa im Rahmen der Smart City Region Lübeck – betreffen Hintergrundinfrastruktur wie IoT-Sensorik, Datenplattformen oder smarte Mobilität. Als Unternehmen in Bad Schwartau fragen wir uns: Wann und wie konkret können Firmen in der Region spürbar davon profitieren? Gibt es Anlaufstellen oder Programme, um digitale Möglichkeiten für den eigenen Betrieb besser zu erkennen und zu nutzen?
Ja, es gibt viele Anlaufpunkte und Beratungsstellen im Land. Entscheidend ist aber die Vernetzung von Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung, die am besten an der Arbeit eines ganz konkreten Projektes oder Vorhabens gelingt. Die Vernetzungsplattformen haben wir geschaffen - beispielsweise durch den bereits erwähnten DigitalHub.SH, Um die Digitalisierung in Schleswig-Holstein voranzutreiben, suchen wir im Rahmen unseres Programms „Offene Innovation“ nach Ideen, die konkrete Probleme vor Ort durch Digitalisierung auf Basis von OpenSource-Ansätzen lösen. Diese sollen nicht nur effizient sein, sondern auch langfristige Unabhängigkeit gewährleisten. Open-Source ist der Schlüssel, um flexibel den Anbieter zu wechseln, Lösungen einfach weiterzuentwickeln, sich gegen einseitige Entscheidungen abzusichern, sich vor Preiserhöhungen von Lizenzgebern zu schützen und mehr Sicherheit durch Transparenz zu gewinnen. Dieser offene Ansatz kommt auch anderen Akteuren zugute: Die entwickelten Lösungen können problemlos weiterverwendet und ausgebaut werden – für mehr Zusammenarbeit und nachhaltige digitale Innovationen. Das Programm „Offene Innovation“ wird im Auftrag der Staatskanzlei vom DigitalHub.SH umgesetzt. Dieser informiert, vernetzt und fördert Innovationen für eine digital souveräne Verwaltung und Gesellschaft in Schleswig-Holstein. Die Leitung durch die WTSH (Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein GmbH) ermöglicht es, eine enge Beziehung zu wichtigen Akteurinnen und Akteuren in Schleswig-Holsteins Wirtschaftslandschaft aufzubauen und zu pflegen. Die WTSH ist auf die Unterstützung der Wirtschaft in Schleswig-Holstein spezialisiert. Die Hansestadt Lübeck hat sich in der Tat erfolgreich als Smart City-Region aufgestellt und wird vom Bundesbauministerium bis Ende 2028 mit ca. 13,4 Mio. Euro gefördert. Mit dem Programm sollen Städte und Regionen besser an die aktuellen Herausforderungen, wie zum Beispiel den Klima- und Strukturwandel sowie die Verwaltungsmodernisierung, angepasst werden. Dafür sollen eine digitale Infrastruktur aufgebaut und innovative Lösungen entwickelt werden. In Lübeck sind dies unter anderem die Smart City Plattform, Intelligentes Verkehrsflussmanagement, Digitales Kulturwerk, Bürgerbeteiligung und die Kollaborations-Tool-Chain. Neben den positiven Wirkungen der Aktivitäten und Lösungen für die Bürgerinnen und Bürger der Region profitieren mittelbar auch die Unternehmen davon, indem sich die Attraktivität und Lebensqualität der Region dadurch erhöht. Natürlich können sich auch Unternehmen in die laufenden Prozesse einbringen. In Lübeck und im Land gibt es hierzu eine Reihe von Initiativen und Anlaufstellen angefangen von dem BarCamp Lübeck und dem Start-up GATEWAY49-Accelerators Lübeck über die DiWiSH, den KI-Transfer-Hub SH, der Wissenschaft, Wirtschaft und Forschung in Schleswig-Holstein zum Thema Künstliche Intelligenz vernetzt, oder das Mittelstand-Digital Zentrum Schleswig-Holstein, das kleine und mittlere Unternehmen dabei unterstützt, die Digitalisierung aktiv zu gestalten. Wir haben inzwischen ein vielfältiges und lebendiges Ökosystem an Austausch- und Kollaborationsplattformen im Land, das den Unternehmen zur Verfügung steht.
Die ARAN Holding ist an mehreren Unternehmen in Deutschland, den Niederlanden und Dänemark beteiligt. Gerade in Skandinavien herrscht eine größere Selbstverständlichkeit im Umgang mit digitalen Prozessen – etwa im öffentlichen Bereich oder bei Genehmigungsverfahren. Was kann Schleswig-Holstein konkret aus diesen Ländern übernehmen oder lernen – gerade als Grenzregion – und an andere Bundesländer weitergeben?
Mittlerweile versuchen wir vor allem im IT-infrastrukturellen Bereich weniger Lösungen selbst immer neu zu entwickeln und versuchen erfolgreiche Lösungen auch aus dem Ausland nachzunutzen. Aus diesem Grund pilotieren wir aktuell das estnische Datennetzwerk „X-Road“ sowie die dänische E-Government Plattform „Amplio“. Bei der schleswig-holsteinischen X-Road setzen wir von Beginn an auf Open Source, damit auch andere Akteure aus Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft von der Möglichkeit des verschlüsselten Datentransfers über die X-Road profitieren können.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Minister Schrödter
Dr. Dirk Schrödter (CDU) ist seit 2017 Chef der Staatskanzlei Schleswig-Holstein und seit 2022 zudem Minister für Digitalisierung und Medienpolitik im Kabinett von Ministerpräsident Daniel Günther. Er gilt als Hauptakteur der Verwaltungsmodernisierung in Schleswig-Holstein. Als Digitalisierungsminister verfolgt er eine umfassende Strategie für eine automatisierte, datengetriebene und cloudbasierte Verwaltung. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf digitaler Souveränität – mit dem Ziel, vollständig auf Open Source Software umzustellen. Im Bundesrat vertritt er als stellvertretendes Mitglied Schleswig-Holsteins seit Juni 2022 die Interessen seines Landes in bundesgesetzgeberischen Digitalthemen. Darüber hinaus engagiert er sich auf Bundesebene in Gremien wie dem IT‑Planungsrat und war Co-Vorsitzender im Vermittlungsausschuss zur Novelle des Onlinezugangsgesetzes.
Stärkung des Portfolios im Bereich Mikro- und Ultrafiltration
Die atech innovations GmbH, eine 100%ige Tochtergesellschaft der ARAN Holding GmbH, hat 50 % der Geschäftsanteile an der XPORE CEPAration B.V. erworben hat. Das niederländische Unternehmen XPORE CEPAration B.V. ist ein international agierender Spezialist, der sich auf die Entwicklung innovativer Edelstahlmembranen mit Keramikbeschichtung konzentriert. Mit dieser strategischen Investition untermauert die ARAN Gruppe ihr Engagement, innovative Technologien weiter auszubauen und Synergien im Bereich moderner Filtrationssysteme zu realisieren. Der Zukauf stellt einen wichtigen Schritt in der langfristigen Expansionsstrategie dar, die darauf abzielt, Kunden aus verschiedensten Industriezweigen noch effizientere und nachhaltigere Lösungen zu bieten. Die Zusammenarbeit zwischen XPORE CEPAration B.V. und der atech innovations GmbH wird durch die Bündelung von Know-how und technologischer Expertise neue Impulse in der Forschung und Entwicklung setzen. Ziel ist es, die Entwicklung fortschrittlicher Filtrationslösungen voranzutreiben, die den steigenden Anforderungen in den Bereichen Umwelttechnologien und industrielle Anwendungen gerecht werden. Zusammen mit X-PORE wird atech die Fertigung der Edelstahlmembranen weiter skalieren und die Produkte kontinuierlich optimieren. Die enge geografische Nähe – X-PORE CEPAration hat ihren Sitz in Helmond bei Eindhoven, nur rund 100 Kilometer von atech entfernt – erleichtert zudem die Zusammenarbeit in den Bereichen Entwicklung, Produktion und Vertrieb. So entsteht eine noch größere Marktpräsenz im Bereich der Membranfiltration, die ihren Kunden ein breiteres Produktportfolio und maßgeschneiderte Lösungen bietet.
Effiziente Nutzung natürlicher Ressourcen durch smarte Feuchtigkeitsüberwachung für Stadtbäume
Die HITAG Holding für Innovation und Technologie der ARAN Gruppe GmbH hat 51% der Geschäftsanteile an der Plantobelly GmbH erworben. Plantobelly ist ein Unternehmen mit Sitz in Lübeck, das ein innovatives System zur professionellen Feuchtigkeitsüberwachung von Stadtbäumen und urbanen Grünflächen entwickelt hat. Mit der Beteiligung an der Plantobelly GmbH verfolgt die ARAN Gruppe das Ziel, technologiegestützte Lösungen zur effizienteren Nutzung natürlicher Ressourcen zu fördern. Mithilfe drahtloser, batteriebetriebener Sensoren ermöglicht das Plantobelly-System eine präzise und ressourcenschonende Bewässerung, indem die Bodenfeuchtigkeit in Echtzeit überwacht wird. Die vandalismussicheren Sensoren mit einer Batterielaufzeit von bis zu 10 Jahren helfen Kommunen sowie Unternehmen, Wasser effizient einzusetzen und unnötige Kontrollfahrten zu reduzieren. Die Sensoren messen viermal täglich die Bodenfeuchtigkeit in Tiefen zwischen 30 und 60 cm und senden die Daten drahtlos an den Plantobelly-Webservice. Der Plantobelly-Webservice verknüpft die Bodenfeuchtedaten mit aktuellen Wetterinformationen, liefert Prognosen und lässt sich nahtlos in Smart-City-Plattformen integrieren. Hierfür stehen zwei Funktechnologien zur Verfügung: NB-IoT (Narrowband Internet of Things)nutzt das bestehende Mobilfunknetz und erlaubt eine besonders energieeffiziente Datenübertragung auch an schwer zugänglichen Orten – ideal für den autarken Betrieb ohne lokale Infrastruktur. LoRaWAN (Long Range Wide Area Network)hingegen eignet sich für die Einbindung in kommunale Funknetzwerke und überzeugt durch hohe Reichweite bei geringem Energieverbrauch Im Plantobelly-Webservice können Nutzerinnen und Nutzer die aktuellen Feuchtigkeitswerte einsehen, den Verlauf der Feuchtigkeitsveränderung grafisch darstellen und die Bewässerung entsprechend planen. Bei drohender Trockenheit erfolgt eine aktive Benachrichtigung. Für diese nachhaltige Lösung wurde Plantobelly bereits mit der Innovations-Medaille des Bundesverbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e.V. ausgezeichnet. Die präzise Steuerung der Bewässerung städtischer Grünflächen trägt zur Reduzierung des Wasserverbrauchs bei und unterstützt Kommunen bei der Anpassung an klimatische Veränderungen.
Die ARAN Holding GmbH und die ARAN Gruppe präsentieren sich mit neuer Corporate Identity. Das neue Logo erzählt die Geschichte unseres Ursprungs: Es begann mit dem Handel mit Baumaterialien, schnell kamen Entsorgungsdienstleistungen hinzu – diese beiden Bereiche bilden als hellere „Pfeiler“ unsere Herkunft. Der Bereich Technologie machte unser „Haus“ mit einem „Dach“ komplett und fortan trugen alle drei Geschäftsbereiche zu unserer Entwicklung bei - hin zu einer breit aufgestellten Unternehmensgruppe und unserer Vision, weiter zu wachsen und Raum für Neues zu schaffen: dafür steht die offene Unterseite unseres Dreiecks. Gleichzeitig spiegelt unser dreieckiges Logo unsere Unternehmensstruktur mit drei Geschäftsbereichen wider, in der unsere Tochter- und Beteiligungsgesellschaften unsere Basis bilden und die ARAN Holding das Dach als Sinnbild für Einheit und Schutz: Die Holding als Muttergesellschaft bietet den Rahmen und sicheren Rückhalt für unsere Tochtergesellschaften und Beteiligungen. Auch hier steht die Unterseite für Offenheit, denn auch in Zukunft werden wir neue Gesellschaften in unsere Unternehmensgruppe integrieren und in unser „ARAN“, also unser Zuhause, aufnehmen. Dabei setzen wir wie bisher sowohl auf Neugründungen als auch auf Übernahmen im Rahmen von Nachfolgeregelungen.